Liebe Würzburger Leserinnen und Leser,
Vielen Dank für die Möglichkeit, im Sprachrohr der Uni Würzburg kurz unsere Positionen, speziell bezüglich der Bildungs- und Hochschulpolitik in der EU darlegen zu können.
Unser Ziel ist, dass alle Menschen in Würde selbstbestimmt und solidarisch miteinander leben können – in Europa und weltweit. Deshalb setzt sich DIE LINKE vor allem für soziale Gerechtigkeit, den weltweiten Frieden, den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die demokratische Teilhabe der Menschen ein.
In der Bildungspolitik lehnen wir das klassische Bildungsideal des europäischen Bürgertums ab, wonach die privilegierten Bildungsschichten sich reproduzieren und damit die bestehenden Machtverhältnisse stabilisieren. Demgegenüber fordern wir die Ausstattung aller Bürgerinnen und Bürger mit Bildung als Ziel europäischer Politik. Bildung ist ein Menschenrecht. Sie muss allen Menschen offen stehen – unabhängig von ihrer kulturellen und sozialen Herkunft.
DIE LINKE tritt gegen Privatisierungen im Bildungsbereich ein. Public Private Partnerships in Schulen und Hochschulen öffnen Profitinteressen Tür und Tor und gefährden demokratische Mitbestimmung in den Bildungseinrichtungen. Die Dienstleistungsrichtlinie der EU erhöht den Privatisierungsdruck auf die sogenannten Bildungsdienstleistungen. Bildung ist ein öffentliches Gut und muss in öffentlicher Verantwortung gestaltet und solidarisch finanziert werden.
Der Bologna-Prozess zur Schaffung eines gemeinsamen Europäischen Hochschulraumes muss auf eine neue, soziale Grundlage gestellt werden. Die EU darf nicht länger für Studiengebühren werben, sondern muss sich für die Umsetzung des UN-Sozialpakts stark machen: Dort steht das Recht auf Bildung im Mittelpunkt und alle Unterzeichnerstaaten haben sich verpflichtet, Studiengebühren abzuschaffen. Auch in der Berufsbildungspolitik führt der Kopenhagen-Prozess zur Deregulierung der Bildungssysteme, während sich DIE LINKE für eine ganzheitliche Berufsausbildung ausspricht.
Wir wollen, dass Lehrende und Lernende sich über die Landesgrenzen hinweg austauschen, international mobil sind und über den Tellerrand schauen. Damit sich nicht nur Jugendliche aus finanzstarken Elternhäusern während der Ausbildung einen Auslandsaufenthalt leisten können, müssen die Förderprogramme der EU ausgebaut und gerade für finanziell Schwächere attraktiver gemacht werden.
Sascha Wagener